Gesundheit & psychosoziale Unterstützung

Kosovo: Integrierte Unterstützung in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft

Projektübersicht

Das vorliegende Projekt verfolgt einen multisektoralen Ansatz, um die Lebensbedingungen vulnerabler Bevölkerungsgruppen ganzheitlich zu verbessern. Es kombiniert Maßnahmen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Bewusstseinsbildung und wirtschaftliche Stärkung. Ziel ist es, langfristige Resilienz zu fördern und benachteiligten Gruppen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und wirtschaftlichen Perspektiven zu verschaffen.

Die Projektkomponenten im Überblick:

  1. Bildung:
    Ergänzende Schulungsangebote richten sich gezielt an Waisenkinder, um ihre schulische und persönliche Entwicklung zu fördern und ihnen gleiche Chancen auf Bildung und Teilhabe zu ermöglichen.
  2. Bewusstseinsbildung im Bildungsbereich:
    Verwitwete Mütter erhalten Zugang zu Schulungen, um ihr Bewusstsein für Bildungsfragen zu stärken, das Verständnis für die Bedeutung von Bildung innerhalb der Familie zu fördern und sie aktiv in die Bildungsförderung ihrer Kinder einzubinden.
  3. Landwirtschaftliche Unterstützung:
    Kleinbäuerinnen und -bauern werden mit grundlegenden landwirtschaftlichen Werkzeugen ausgestattet, um ihre Produktionskapazitäten zu verbessern und so ihre Einkommensmöglichkeiten nachhaltig zu steigern.
  4. Gesundheitliche Versorgung:
    Für gefährdete Gruppen werden häusliche Gesundheitsdienste bereitgestellt, um eine grundlegende medizinische Versorgung sicherzustellen – insbesondere dort, wo der Zugang zu öffentlichen Gesundheitseinrichtungen eingeschränkt ist.
  5. Förderung von Unternehmertum:
    Jugendliche werden durch praxisorientierte Schulungen im Bereich Unternehmertum gezielt gefördert. Die besten Geschäftsideen erhalten zusätzlich finanzielle Zuschüsse zur Gründung kleiner Unternehmen, um Selbstständigkeit und wirtschaftliche Eigenverantwortung zu ermöglichen.

Projektsteckbrief

Land: Kosovo

Ort(e): Pristina, Drenas, Gjilan

Begünstigte: 10.420 Personen (davon 5.210 Männer und 5.210 Frauen)

Projektziele:

  • Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter Frauen und Männer in den Zielregionen
  • Förderung wirtschaftlicher Unabhängigkeit durch Schulungen, Einkommensmöglichkeiten und kleine Geschäftsinitiativen
  • Stärkung sozialer und persönlicher Fähigkeiten der Teilnehmenden, z. B. durch Trainings in Lebenskompetenzen, Kommunikation oder Selbstorganisation
  • Verbesserung des Zugangs zu grundlegenden Dienstleistungen, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und soziale Unterstützung
  • Aufbau lokaler Strukturen, die Hilfe zur Selbsthilfe leisten und langfristig wirken können

Projektdauer: 01.11.2023 – 31.10.2026 (36 Monate)

Gesamtkosten: 600.000 €

Implementierungspartner: Islamic Relief Kosovo

Erwartete Ergebnisse

Bildung: Verbesserung der schulischen Leistungen von benachteiligten Kindern durch Nachhilfeangebote für 300 Waisenkinder mit Lernschwierigkeiten.

Einkommen: Ausgewählte Landwirte erhalten Zugang zu landwirtschaftlichen Geräten und Materialien, um ihre Produktivität zu steigern und so das Einkommen ihrer Familien zu erhöhen.

Gesundheit: Rund 10.000 besonders bedürftige Personen, darunter stillende Mütter, Neugeborene, ältere und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderung, erhalten besseren Zugang zu medizinischer Grundversorgung, was zu einer Verbesserung ihres allgemeinen Gesundheitszustands beiträgt.

Unternehmertum und Innovation: Mindestens 50 benachteiligte Jugendliche werden in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt. Sie erhalten Schulungen und Förderung zur Umsetzung innovativer, werteorientierter Geschäftsideen, die soziale Wirkung, wirtschaftlichen Nutzen und ökologische Nachhaltigkeit verbinden, mit dem Ziel, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die lokale Entwicklung zu fördern.

Projektmaßnahmen und Aktivitäten

Im Rahmen des Projekts werden verschiedene Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft, Gesundheit und Unternehmertum umgesetzt. Die folgenden Aktivitäten sind geplant:

1. Bildung und psychosoziale Unterstützung

  • Einstellung qualifizierter Lehrkräfte für die Fächer Mathematik, Englisch, Deutsch und IT
  • Durchführung von ergänzenden Kursen für Waisenkinder, Kinder aus sozial benachteiligten Familien und marginalisierten Gruppen
  • Organisation eines Sommerlagers für Waisenkinder zur Förderung sozialer und emotionaler Entwicklung
  • Durchführung einer Sensibilisierungsschulung für 50 verwitwete Mütter zu Themen wie Erziehung, Bildung und psychosoziale Unterstützung

2. Landwirtschaftliche Unterstützung

  • Auswahl geeigneter Landwirte in den Zielgemeinden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Sozialabteilungen
  • Verteilung von landwirtschaftlichen Werkzeugen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen und Einkommenssicherung

3. Gesundheitsversorgung

  • Einstellung von Ärzt*innen zur Bereitstellung einer kostenlosen häuslichen Gesundheitsfürsorge für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen
  • Durchführung von Trainings für Gesundheitspersonal, um die Qualität und Reichweite der medizinischen Leistungen zu verbessern

4. Förderung von Unternehmertum

  • Auswahl gefährdeter Familien in Zusammenarbeit mit den lokalen Sozialbehörden (ODS-Abteilungen)
  • Entwicklung von Geschäfts-, Schulungs- und Unternehmensplänen für benachteiligte Jugendliche
  • Bereitstellung von Zuschüssen für die besten Geschäftsideen
  • Einrichtung einer Bewertungskommission zur Auswahl förderwürdiger Projekte
  • Technische Unterstützung bei der Unternehmensgründung (z. B. Gewerbeanmeldung, Buchhaltung, Kassensysteme)
  • Kontinuierliche individuelle Beratung und Begleitung (Business Counseling) zur Sicherung der unternehmerischen Nachhaltigkeit

Hintergrund und Ausgangslage

Das Bildungssystem im Kosovo steht weiterhin vor großen Herausforderungen, insbesondere in der Primar- und Sekundarstufe. Eine Bedarfsanalyse der Abteilung für Waisenpatenschaften (ODS) sowie die Ergebnisse der PISA-Studie 2018 (Programme for International Student Assessment) zeigen deutlich: Der Kosovo gehört zu den drei Ländern mit den niedrigsten Leistungen unter den 72 teilnehmenden Staaten. Besonders stark betroffen sind Waisenkinder, die aufgrund schwieriger Lebensumstände noch geringere Bildungschancen haben.

Im Bereich Landwirtschaft verfügt der Kosovo über großes Potenzial, insbesondere im Obst- und Gemüseanbau sowie in der Viehzucht. Rund 62 % der Bevölkerung leben in ländlichen Regionen, und der Agrarsektor trägt etwa 10 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Dennoch stehen viele Landwirt*innen vor strukturellen Herausforderungen, etwa fehlendem Zugang zu Finanzierungen, mangelnder technischer Ausstattung und begrenzter staatlicher Unterstützung. Diese Faktoren hemmen die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Betriebe und die Erschließung von Einkommensmöglichkeiten.

Im Gesundheits- und Sozialsystem fehlt es an Angeboten für häusliche Pflege, insbesondere für ältere und chronisch kranke Menschen. Erkrankungen wie Seh- und Hörstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes sind weit verbreitet. Obwohl diese Krankheiten meist keinen stationären Aufenthalt erfordern, schränken sie die Betroffenen stark im Alltag ein. Viele ältere Menschen sind auf Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben wie Körperpflege, Mobilität, Anziehen oder Einkaufen angewiesen – Unterstützung, die meist von Angehörigen geleistet wird. Für einkommensschwache Familien bedeutet das oft ein schweres Dilemma: Pflege oder Berufstätigkeit, beides gleichzeitig ist kaum zu bewältigen.

Ein weiteres strukturelles Problem ist die hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen. Der Ausbau von Unternehmertum und Kleinstunternehmen spielt deshalb eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Stabilisierung des Landes. Kleine Betriebe schaffen Arbeitsplätze, generieren Einkommen und tragen zu sozialem Wandel bei, vor allem in Übergangs- und Entwicklungsländern wie dem Kosovo.

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