Bangladesch: Stärkung der Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinden
Katastrophenvorsorge
Katastrophenvorsorge
Kurzbeschreibung des Projekts
Ziel dieses zweijährigen Projekts ist es, auf den Erkenntnissen des vorangegangenen, von ECHO geförderten Vorhabens aufzubauen und effektive Frühwarnmechanismen für Überschwemmungen in ausgewählten Regionen des Bezirks Jamalpur (Bangladesch) zu etablieren. Konkret sollen in vier Verwaltungseinheiten des Subdistrikts (Upazila) Islampur sowie in zwei Einheiten des Upazilas Dewangonj standortgenaue, zeitnahe und inklusive Vorhersagesysteme entwickelt werden, um die betroffene Bevölkerung besser auf bevorstehende Flutereignisse vorbereiten zu können. Darüber hinaus werden die Kapazitäten von lokalen Katastrophenschutzkomitees, Dienstleistern und Gemeindegruppen gezielt gestärkt, um eine schnelle und koordinierte Umsetzung von Maßnahmen auf Grundlage der Hochwasservorhersagen zu ermöglichen.
Katastrophenvorsorge
Projektsteckbrief
Land: Bangladesch
Ort(e): Vier Verwaltungseinheiten im Upazila Islampur und zwei im Upazila Dewangonj, Bezirk Jamalpur
Begünstigte
- Direkt: Insgesamt 26.047 Personen, darunter 6.678 Männer mit Behinderung, 6.579 Männer ohne Behinderung, 6.442 Frauen mit Behinderung und 6.348 Frauen ohne Behinderung
- Indirekt: 122.422 Personen, davon 62.308 Männer und 60.114 Frauen
Projektziel:
Aufbau eines Frühwarnsystems für Überschwemmungen, das ortsgenau, zeitnah und inklusiv ist. Die Maßnahme soll dazu beitragen, gefährdete Gemeinden frühzeitig zu informieren und ihnen ermöglichen, rechtzeitig Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Projektdauer: 01.01.2022 – 31.12.2023 (24 Monate)
Gesamtkosten: 352.408,00 Euro (finanziert aus Eigenmitteln)
Implementierungspartner: Islamic Relief Bangladesch
Katastrophenvorsorge
Erwartete Ergebnisse
- Entwicklung standortspezifischer Hochwasservorhersagen mit längerer Vorlaufzeit, die für relevante Akteure und betroffene Gemeinden zugänglich und verständlich sind.
- Stärkung der Kapazitäten lokaler Institutionen und gefährdeter Bevölkerungsgruppen, um frühzeitige, umsetzbare und inklusive Maßnahmen bei drohenden Überschwemmungen ergreifen zu können.
- Etablierung vorausschauender Maßnahmen durch die Einführung standardisierter Frühwarnprotokolle, die mit bestehenden Sozialschutzsystemen und Finanzierungsmechanismen verknüpft sind.
- Bessere Vorbereitung auf Flutereignisse, durch systematische Sensibilisierung und Koordination relevanter Akteure auf Gemeindeebene.
Katastrophenvorsorge
Projektmaßnahmen und Aktivitäten
- Ausbau der lokalen Hochwasservorhersagekapazitäten durch die Entwicklung und Nutzung eines gebietsübergreifenden Prognosemodells mit einer Vorlaufzeit von einem Monat für das Einzugsgebiet des Brahmaputra-Flusses.
- Entwicklung eines integrierten Webportals, das Informationen zu Hochwassergefährdung, Risiko- und Auswirkungskarten sowie frühzeitige Handlungspläne zusammenführt und allen relevanten Akteuren zur Verfügung stellt.
- Stärkung der Katastrophenschutzkomitees (DMCs) sowie von Gemeindegruppen durch Trainings zum besseren Verständnis von Frühwarnsystemen, inkl. Entwicklung eines Advocacy-Moduls und Umsetzung gezielter Aufklärungsmaßnahmen.
- Koordination und Nutzung verschiedener Kommunikationskanäle, um Hochwasserwarnungen, Handlungsempfehlungen und agrarbezogene Informationen effektiv zu verbreiten.
- Begleitung bei der Entwicklung und Anwendung lokaler Richtlinien sowie Reaktivierung und Stärkung von DMCs und Gemeindegruppen für eine effektivere Katastrophenvorsorge.
- Durchführung von Gemeinderisikobewertungen mit besonderem Fokus auf Landwirtschaft, Viehhaltung, Gesundheit, Genderaspekte und Inklusion.
- Kapazitätsaufbau zu Forecast-based Action (FbA): Schulungen und Simulationsübungen zur Förderung frühzeitiger, koordinierter Maßnahmen auf Gemeinde- und institutioneller Ebene.
- Unterstützung bei der Nutzung bestehender Fonds für Katastrophenmanagement, z. B. auf Bezirksebene, sowie Entwicklung ergänzender Finanzierungsmechanismen.
- Gemeinsame Erarbeitung von Standardarbeitsanweisungen und Frühaktionsplänen (SOPs/EAPs) für den Umgang mit Monsunfluten in Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren.
- Erstellung von Advocacy-Materialien, darunter Positionspapiere, Richtlinienempfehlungen und Berichte über gewonnene Erkenntnisse (Lessons Learned).
- Durchführung von lokalen und nationalen Workshops, um gemeinsames Lernen zu fördern und Synergien zwischen den Akteuren zu stärken.
- Teilnahme an regionalen und internationalen Dialogformaten wie der Asia-Pacific Ministerial Conference on Disaster Risk Reduction (APMCDRR) und anderen Fachveranstaltungen, um Erfahrungen auszutauschen und die Sichtbarkeit des Projekts zu erhöhen.
Katastrophenvorsorge
Hintergrund und Ausgangslage
Bangladesch gehört mit rund 160 Millionen Einwohnern (laut Volkszählung von 2011) zu den am dichtesten besiedelten Ländern weltweit. Trotz wirtschaftlicher Fortschritte lebt ein bedeutender Teil der Bevölkerung weiterhin in Armut – etwa 21,8 Prozent der Menschen gelten als arm, während im Jahr 2018 rund 11,3 Prozent in extremer Armut lebten. Der Distrikt Jamalpur zählt zu den am stärksten hochwassergefährdeten Regionen des Landes. Er liegt in unmittelbarer Nähe zu großen grenzüberschreitenden Flüssen wie dem Brahmaputra und der Jamuna. Überschwemmungen treten dort regelmäßig auf und sind nahezu unvermeidlich. Sie führen jedes Jahr zu erheblichen Schäden an Infrastruktur, Lebensgrundlagen und fordern oftmals auch Menschenleben. Aufgrund der zyklischen Natur dieser Flutereignisse gelten reine Reaktions- oder Wiederherstellungsmaßnahmen langfristig als nicht nachhaltig, da sie Jahr für Jahr erneut notwendig wären und keine dauerhafte Widerstandsfähigkeit bei der betroffenen Bevölkerung aufbauen können.
Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt ins Leben gerufen, um den bestehenden Ansatz in Bangladesch um eine vorausschauende Komponente zu erweitern. Ziel ist es, durch hochwasserbasierte Frühwarnsysteme und evidenzbasierte Vorhersagen frühzeitige Maßnahmen zu ermöglichen. So können Schäden reduziert und die Resilienz der Gemeinden im Bezirk Jamalpur gezielt gestärkt werden. Die Projektaktivitäten tragen somit dazu bei, die strukturelle Verwundbarkeit der Bevölkerung in dieser besonders gefährdeten Region deutlich zu verringern.
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Islamic Relief

