08.10.2025

Button name

Afghanistan

Button name

Ein Monat nach dem Beben: Tausende ohne Schutz

Das Erdbeben, das am späten Abend des 31. August 2025 die Region erschütterte, forderte über 2.200 Todesopfer und machte mehr als 6.300 Wohnhäuser unbewohnbar. Obwohl erste Hilfslieferungen eingetroffen sind, reichen sie bei Weitem nicht aus. Die humanitäre Hilfe ist massiv unterfinanziert.

Mehr als vier Wochen nachdem heftige Erdstöße weite Teile der östlichen Regionen Afghanistans zerstört haben, leben weiterhin Tausende Betroffene unter freiem Himmel. Sie verfügen weder über sichere Unterkünfte noch über ausreichenden Schutz, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die eisigen Wintermonate unaufhaltsam näher rücken. Darauf weist die Hilfsorganisation Islamic Relief eindringlich hin. Die Berggebiete sind für extrem kalte Winter bekannt: dichter Schneefall, gefrorene Böden und Temperaturen, die bis auf minus 20 Grad Celsius sinken können.

Erdbeben-Afghanistan-2025

Aktuelle Einschätzungen der Vereinten Nationen zeigen, dass rund 90 Prozent der Menschen, die das Beben überlebt haben, nach wie vor in der ländlich geprägten Provinz Kunar ohne angemessene Unterkunft auskommen müssen. Dadurch sind sie dem raschen Temperaturabfall besonders schutzlos ausgeliefert.

Überlebender schildert die Not vor Ort

Wahidullah Ehsas, selbst vom Beben betroffen, verbringt wie viele andere die Nächte weiterhin im Dewagal-Tal in Kunar unter freiem Himmel. Gegenüber dem Team von Islamic Relief beschreibt er die Situation: „Für meine Familie und mich ist der Alltag äußerst belastend. Seit unser Haus zerstört wurde, leben wir draußen in behelfsmäßigen Unterständen. Unsere Vorräte an Nahrung, Wasser und Decken sind knapp. Die Nächte sind eiskalt, und immer wieder spüren wir Nachbeben. Besonders Kinder und ältere Menschen leiden darunter. Einige Bewohner haben Zelte erhalten, doch ein Großteil ist weiterhin völlig ungeschützt.“

Wir machen uns große Sorgen, wie wir den Winter überstehen sollen. Viele Häuser sind durch die ununterbrochenen Erdstöße so stark beschädigt, dass niemand zurückkehren kann. Schon jetzt sinken die Temperaturen spürbar. In den kommenden Wochen wird es in dieser Gebirgsregion noch deutlich kälter und für Familien ohne warmen Schutz, Decken oder Heizmöglichkeiten kann das lebensbedrohlich werden.“

Erdbeben-Afghanistan-2025

Programmleiter warnt vor lebensbedrohlicher Kälte

Auch Ibrahim Alhomadi, Programmleiter von Islamic Relief Afghanistan, warnt eindringlich:

„Wenn die Menschen nicht bald Unterkünfte finden, besteht ein hohes Risiko, dass sie den Winter aufgrund von Unterkühlung oder Krankheiten nicht überstehen. Sie haben das Erdbeben überlebt, doch nun droht ihnen der Tod durch die Kälte.“

Es ist erschütternd, dass fast einen Monat nach der Katastrophe immer noch so viele Familien ohne geeigneten Schutz leben müssen. Gleichzeitig fehlt es der humanitären Hilfe an ausreichenden finanziellen Mitteln. Die internationale Aufmerksamkeit verschwindet schnell, doch die Notlage wächst weiter. Die Betroffenen haben alles verloren: ihre Häuser, Angehörige, ihre Einkommensgrundlagen und rund 95 Prozent von ihnen auch ihre Lebensmittelvorräte. Viele hausen weiterhin in Notbehausungen aus Planen oder Zelten, die kaum Schutz vor den harschen Winterbedingungen bieten.

Wir konnten einige Notfallzelte bereitstellen, aber das ist keine langfristige Lösung für die kommenden Monate. Die Menschen müssen so schnell wie möglich in wintertaugliche Unterkünfte gebracht werden.

Jetzt ist Unterstützung wichtiger denn je

Trotz des enormen Bedarfs sind bislang weniger als 30 Prozent des von den Vereinten Nationen geplanten humanitären Hilfsprogramms für Afghanistan im Jahr 2025 finanziert. Zusätzlich bittet die UN um weitere 139 Millionen US-Dollar, um die Erdbebenopfer ausreichend unterstützen zu können. Direkt nach der Katastrophe war Islamic Relief Afghanistan vor Ort: Ein Notfallteam und ein Krankenwagen wurden entsandt, über 200 Zelte und 950 Hygienesets verteilt sowie dringend benötigte Latrinen errichtet.

Doch für die betroffenen Familien ist die Not noch lange nicht vorbei. Zwischen Trümmern, klirrend kalten Nächten und einer ungewissen Zukunft hoffen sie darauf, nicht allein gelassen zu werden. Jede Spende, ob groß oder klein, kann ihnen in dieser lebensbedrohlichen Situation Schutz, Wärme und ein Stück Sicherheit zurückgeben.

Hilf jetzt den Erdbebenüberlebenden in Afghanistan. Jede Unterstützung zählt.

Erdbeben-Afghanistan-2025