11.07.2025

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Srebrenica

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Überleben nach dem Völkermord in Srebrenica: Ein Neuanfang

Drei Jahrzehnte nach dem Völkermord von Srebrenica blickt die bosnische Gesellschaft auf 30 Jahre voller Aufarbeitung, Erinnerung, Gedenken, aber auch anhaltender seelischer Narben zurück. Gleichzeitig stehen diese Jahre für die Hoffnung und Stärke der Überlebenden, die trotz tiefem Leid weiterleben. Islamic Relief Österreich und ihr internationales Netzwerk leisteten während des Bosnienkriegs umfassende humanitäre Hilfe: Über 700 Tonnen Hilfsgüter wurden verteilt und die Menschen dabei unterstützt, eigene Lebensmittel anzubauen. Die heute 70-jährige Überlebende und Zeitzeugin Tima erzählt von den Schrecken von Srebrenica, den Jahren des Krieges und dem mühsamen Weg zurück ins Leben.

Srebrenica

Timas Geschichte: Überleben nach dem Unvorstellbaren

Heute erinnert die internationale Gemeinschaft an den Völkermord von Srebrenica im Jahr 1995, bei dem mehr als 8.372 bosniakische Männer und Jungen ermordet wurden. Sowie an die über 100.000 überwiegend bosniakischen Opfer, die zwischen 1992 und 1996 im Bosnienkrieg ihr Leben verloren. Das daraus entstandene kollektive Trauma wirkt bis heute fort, über Generationen hinweg.

Eine von vielen Betroffenen ist die 70-jährige Tima. Sie erzählt von der Flucht aus ihrer Heimatstadt Sebiočina, die 1992 von serbischen Truppen angegriffen wurde: „Ich musste mein Zuhause verlassen, weil sie unser Haus in Brand setzten. Sie töteten, wen sie konnten. Wir sind nie zurückgekehrt. Die, die geblieben sind, wurden getötet.“

Bosnien

Drei Monate lang war Tima mit ihren drei kleinen Kindern auf der Flucht durch Schnee und Kälte bis sie Srebrenica erreichte. Dort lebten sie zunächst im Wald. „Ich erinnere mich an den Klang der Granaten. Und daran, wie schwer es war, das Essen auf dem Rücken zu tragen, während ich gleichzeitig meine Kinder trug.“ Sie erinnert sich auch an die humanitäre Hilfe schwedischer Organisationen. „Diejenigen, die Hilfe bekamen, hatten eine Überlebenschance. Wer keine bekam, hatte kaum eine. Ich hoffe, dass es hier niemals wieder Krieg gibt.

Timás Ehemann Alija und ihr Sohn Nedzad wurden von serbischen Soldaten gefangen genommen. Alija wurde 1995 im ostbosnischen Kasaba getötet, so wie das Rote Kreuz später bestätigte. Nedzad wurde zu einer Massenhinrichtungsstätte gebracht. Vier Kugeln trafen ihn, doch er überlebte schwer verletzt und schaffte es zurück zu seiner Mutter nach Tuzla.

Heute, 30 Jahre später, lebt Tima zeitweise bei Nedzad in Srebrenica. Doch die Erlebnisse lassen sie nicht los: „Wenn man einmal etwas so Furchtbares erlebt hat, können einen selbst kleine Dinge tief erschüttern. Ich würde meinen Sohn gerne aus Srebrenica wegbringen, aber was kann ich tun? Er ist hier beschäftigt, also bleiben wir.

Tima und ihre Töchter erhielten nach dem Krieg Unterstützung durch  das Waisenpatenschaftsprogramm von Islamic Relief. Ein Kleinkredit ermöglichte es ihr, die Mädchen zur Schule zu schicken. „Ich bin Islamic Relief sehr dankbar. Ich hätte sonst nirgends Hilfe bekommen. Ich danke der Organisation und den Menschen, die meine Töchter unterstützt haben, von Herzen.“ Auch wenn sie heute zwischen Tuzla und Srebrenica pendelt – der Gedanke an eine dauerhafte Rückkehr fällt ihr schwer. „Ich wollte nie zurück.

Noch immer fehlen Tima die Worte, um das ganze Ausmaß ihres Leids zu beschreiben. Doch sie beweist täglich Mut und bleibt für ihre Kinder da. Die Narben des Bosnienkriegs, darunter die jahrelange Belagerung, systematische Vergewaltigungen (bis zu 50.000 Frauen waren betroffen), Hunger, Flucht und Gewalt prägen das Land bis heute.

Zwischen dem 13. und 19. Juli 1995 wurden in und um Srebrenica Tausende bosniakische Männer ermordet und viele Frauen vergewaltigt. Islamic Relief war während des Krieges vor Ort, verteilte Lebensmittel an Vertriebene und Überlebende und half beim Wiederaufbau nach dem Krieg. In den 30 Jahren danach wurden zahlreiche Projekte umgesetzt – von psychosozialer Betreuung für Frauen und Kinder bis zu Hilfen beim Aufbau einer Existenz. Patenschaften ermöglichten Bildung für Waisenkinder, und Mikrokredite schufen neue Perspektiven für viele Familien.

30 Jahre Hilfe – 30 Jahre Hoffnung: Islamic Relief in Bosnien

Heute, drei Jahrzehnte später, blickt die Hilfsorganisation auf 30 Jahre kontinuierlicher humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in Bosnien und Herzegowina zurück. Ein Land, das tief gezeichnet ist von Krieg, Verlust und Zerstörung, aber auch von der Stärke seiner Menschen.

Während des Krieges leistete Islamic Relief lebensrettende Soforthilfe: Über 700 Tonnen Nothilfegüter, darunter Lebensmittel und Hygieneartikel, wurden verteilt. Auch nach Kriegsende blieben die lokalen Teams vor Ort, um die Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser, beim Zugang zu Bildung und bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse zu unterstützen.

Bosnien_IR_Verteilung

Bis heute begleitet Islamic Relief besonders vulnerable Gruppen wie Witwen und Waisenkinder, mit Winterhilfe, Lebensmittelpaketen zu Ramadan und Kurban oder durch langfristige Waisenpatenschaften. Aktuell laufen bis zu 1.400 Patenschaften allein in Bosnien.

Dank dieser Projekte konnten viele Familien eine neue Perspektive finden: Kinder kehrten zurück in die Schule, Bauernhöfe und kleine Betriebe wurden gegründet. Ein Neuanfang wurde möglich.

Seit 1992 ist Islamic Relief als Teil eines internationalen Netzwerks in Bosnien aktiv und bleibt es bis heute: An der Seite der Überlebenden, mit dem Ziel, Hoffnung zu geben und Zukunft zu schaffen.