Drei Monate lang war Tima mit ihren drei kleinen Kindern auf der Flucht durch Schnee und Kälte bis sie Srebrenica erreichte. Dort lebten sie zunächst im Wald. „Ich erinnere mich an den Klang der Granaten. Und daran, wie schwer es war, das Essen auf dem Rücken zu tragen, während ich gleichzeitig meine Kinder trug.“ Sie erinnert sich auch an die humanitäre Hilfe schwedischer Organisationen. „Diejenigen, die Hilfe bekamen, hatten eine Überlebenschance. Wer keine bekam, hatte kaum eine. Ich hoffe, dass es hier niemals wieder Krieg gibt.“
Timás Ehemann Alija und ihr Sohn Nedzad wurden von serbischen Soldaten gefangen genommen. Alija wurde 1995 im ostbosnischen Kasaba getötet, so wie das Rote Kreuz später bestätigte. Nedzad wurde zu einer Massenhinrichtungsstätte gebracht. Vier Kugeln trafen ihn, doch er überlebte schwer verletzt und schaffte es zurück zu seiner Mutter nach Tuzla.
Heute, 30 Jahre später, lebt Tima zeitweise bei Nedzad in Srebrenica. Doch die Erlebnisse lassen sie nicht los: „Wenn man einmal etwas so Furchtbares erlebt hat, können einen selbst kleine Dinge tief erschüttern. Ich würde meinen Sohn gerne aus Srebrenica wegbringen, aber was kann ich tun? Er ist hier beschäftigt, also bleiben wir.“
Tima und ihre Töchter erhielten nach dem Krieg Unterstützung durch das Waisenpatenschaftsprogramm von Islamic Relief. Ein Kleinkredit ermöglichte es ihr, die Mädchen zur Schule zu schicken. „Ich bin Islamic Relief sehr dankbar. Ich hätte sonst nirgends Hilfe bekommen. Ich danke der Organisation und den Menschen, die meine Töchter unterstützt haben, von Herzen.“ Auch wenn sie heute zwischen Tuzla und Srebrenica pendelt – der Gedanke an eine dauerhafte Rückkehr fällt ihr schwer. „Ich wollte nie zurück.“
Noch immer fehlen Tima die Worte, um das ganze Ausmaß ihres Leids zu beschreiben. Doch sie beweist täglich Mut und bleibt für ihre Kinder da. Die Narben des Bosnienkriegs, darunter die jahrelange Belagerung, systematische Vergewaltigungen (bis zu 50.000 Frauen waren betroffen), Hunger, Flucht und Gewalt prägen das Land bis heute.
Zwischen dem 13. und 19. Juli 1995 wurden in und um Srebrenica Tausende bosniakische Männer ermordet und viele Frauen vergewaltigt. Islamic Relief war während des Krieges vor Ort, verteilte Lebensmittel an Vertriebene und Überlebende und half beim Wiederaufbau nach dem Krieg. In den 30 Jahren danach wurden zahlreiche Projekte umgesetzt – von psychosozialer Betreuung für Frauen und Kinder bis zu Hilfen beim Aufbau einer Existenz. Patenschaften ermöglichten Bildung für Waisenkinder, und Mikrokredite schufen neue Perspektiven für viele Familien.